Pferdepoesie

DER FRIESE
Schwarze Perle... hoch trägst du den Kopf
und spitzt die Ohren, unendliche Wellen sind
deiner Mähne Pracht.
Im Friesenland wurdest du einst geboren,
nun bist du weltweit in die Herzen gebracht.
Dein schwarzblauer Schimmer betört Menschensinne
und bleibt im Gedächtnis für immer...für immer...
Alle Augen verfolgen dein vornehmes Schreiten,
dein starker Hufschlag erhallt in den Weiten
der Straßen und Wege und würdevoll schmückst du
manch´ festlichen Platz.
Bist nächtlicher Glimmer, bist schwarze Perle,
bist kostbarer Schatz.

Margrit Baumgärtner

"NUR EIN PFERD" ... "Von Zeit zu Zeit sagen Leute zu mir "Wach auf, es ist nur ein Pferd!" oder "Das ist aber viel Geld für „nur ein Pferd". Sie verstehen nicht warum man diese Wege zurück legt, soviel Zeit investiert oder die Kosten, die „nur ein Pferd" mit sich bringt. ... Manche meiner stolzesten Momente verdanke ich "nur einem Pferd". Viele ... Stunden sind vergangen in denen meine einzige Ge...sellschaft "nur ein Pferd" war, aber ich fühlte mich nicht ein einziges Mal missachtet. Einige meiner traurigsten Momente wurden durch "nur ein Pferd" hervorgerufen und an dunklen Tagen war es "nur ein Pferd" dessen freundliche Berührung mir Wohlbefinden und die Stärke brachte, den Tag zu überstehen. Falls du auch denkst es ist "nur ein Pferd" dann wirst du vermutlich auch Sätze kennen wie "nur ein Freund", "nur ein Sonnenaufgang" oder "nur ein Versprechen". Es ist "nur ein Pferd", welches das Wesentliche aus Freundschaft, Vertrauen und purer unverfälschter Freude in mein Leben bringt. "Nur ein Pferd" ruft in mir das Mitleid und die Geduld hervor, die mich zu einem besseren Menschen macht. "Nur ein Pferd" bringt mich dazu früh aufzustehen, lange Spaziergänge zu machen und sehnsüchtig in die Zukunft zu blicken. Deswegen ist es für mich und Menschen wie ich es bin eben nicht "nur ein Pferd", sondern eine Verkörperung aller Hoffnungen und Träume für die Zukunft, geliebter Erinnerungen und der pure Genuss der Gegenwart. "Nur ein Pferd" zeigt, was gut an mir ist und lenkt meine Gedanken ab. Ich hoffe die anderen Menschen können eines Tages verstehen, dass es nicht "nur ein Pferd" ist, sondern etwas, dass mir Menschlichkeit verleiht und mich zu mehr macht als „nur eine Frau“ . Wenn du nächstes Mal den Satz "nur ein Pferd" hörst dann lächle, weil SIE es "nur" nicht verstehen...

Danke, dass du mir die Ehre erweist, dich reiten zu dürfen.
Danke für dein Vertrauen, das du mir entgegenbringst, wenn du mich alleine durch dunkle Wälder trägst.
Danke für deinen Mut, wenn du ruhig im Hänger stehst und nicht weißt, wohin es geht.
Danke für deine Kraft, die du investierst, wenn du an deine Grenze gehst.
Danke für deine Treue, wenn du brummelnd im Stall auf mich wartest.
Und Danke, für die Demut,die du mich lehrst.
Ich werde mich jeden Tag aufs Neue bemühen, dir gerecht zu werden, mein edles Pferd.
Autor unbekannt

Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du.
Das Tier hat Freude und Schmerz wie du.
Das Tier hat einen Hang zum Streben wie du.
Das Tier hat ein Recht zu leben wie du.

Peter Rosegger
österr. Schriftsteller (1843-1918)

Ein guter Reiter kann sein Pferd sprechen hören.
Ein großartiger Reiter hört sein Pferd flüstern.
Aber ein schlechter Reiter versteht sein Pferd nicht einmal,
wenn es schreit.

Regenbogenbrücke

An einer Stelle in der Ewigkeit gibt es einen Platz, den man Regenbogenbrücke nennt.

Wenn ein Pferd stirbt, das eng mit jemandem zusammengelebt hat, begibt es sich zu dieser Regenbogenbrücke. Dort gibt es Wiesen und Hügel für all unsere speziellen Freunde, damit sie laufen und zusammen spielen können. Es gibt eine Menge Futter und Wasser und Sonnenschein, und unsere Pferde fühlen sich wohl und zufrieden. Alle Pferde, die einmal krank oder alt waren, sind wiederhergestellt - gesund und vital. Die, die verletzt oder schwach waren, sind wieder heil und stark, so, wie wir uns an sie in unseren Träumen erinnern, wenn die Zeit vergeht.

Die Pferde sind glücklich und haben alles, außer einem kleinen bisschen: sie vermissen jemanden bestimmtes, jemanden, den sie zurückgelassen haben.Sie laufen und spielen, aber der Tag kommt, an dem eines sein Spiel plötzlich unterbricht und in die Ferne schaut.

Die hellen Augen sind aufmerksam, der Körper ist unruhig. Plötzlich trennt es sich von der Gruppe, fliegt förmlich über das grüne Gras, seine Beine tragen es schneller und schneller. Noch bist DU ein Punkt in der Unendlichkeit, doch wenn du und dein Freund sich endlich treffen, gibt es nur noch Wiedersehensfreude, die nicht enden will. Die glücklichen Küsse regnen über dein Gesicht, deine Hände streicheln wieder über den geliebten Kopf, und du siehst einmal mehr in die treuen Augen deines Pferdes, die du lange nicht mehr gesehen, die du aber niemals aus deinem Herzen gelassen hast. Dann geht ihr zusammen über die Regenbogenbrücke.

Geliebt zu werden von einem
Pferd oder von einem anderen Tier
sollte uns mit Ehrfurcht erfüllen - denn
verdient haben wir es nicht.

Marion C. Garetty 1917

Wenn ich reite, wenn ich schwebe,
mich mit meinem Pferd über Sand und Wiesen erhebe. 
Unglaublich schön sind diese Pferde! 
Und es ehrt mich, kann ich sagen, wenn sie mich auf ihrem Rücken tragen.

Und Gott nahm eine Handvoll von der Nacht 
und streute sie auf das Marschland.
Und darauf stand es nun,dunkel und schwarz von Kopf bis Schweif,
schwarz wie die Nacht die es schuf.
Ein stolzer Kopf eine wallende Mähne,
grosse Hufe mit Behang.Beine die sich wie Federn senken und heben.
Eine kraftvolle Haltung - die Haltung eines Königs, 
eines Königs der Nacht des Dunkels. Der König der schwarzen Freiheit.

DER FRIESE

Liebst Du den Tanz?
Das Pferd ist Dein Tänzer,
ein Tänzer in die Unendlichkeit!
Aus dem Schwung den Du ihm mitteilst,
erfolgt die Leichtigkeit,
erfolgt das Schweben!
Alle Kraft fühlst Du sich unter Deinem Sattel vereinigen,
Die Welt fließt an Dir vorüber,
Dein Tänzer trägt Dich davon!

König Ludwig 18.Jh als Reitanweisung für seine Geliebte

Unser ganzes Reiterglück
liegt in Mut, in Herz und Blick,
in Gefühl und Verstand,
festem Sitz und leichter Hand.
Habe Sitz und stete Zügel
und mit Fühlung halt den Bügel,
bis es mit dem Mundstück spielt,
Schenkel, Faust und Zügel fühlt,
bis es willig geht und schäumt,
vorwärts ihr gemeinsam träumt!!!

Mein Freund an einem Sonntagmorgen
Tät sich ein hübsches Rößlein borgen.
Mit frischem Hemd und frischem Mute,
In blanken Stiefeln, blankem Hute,
Die Haltung stramm und stramm die Hose,
Am Busen eine junge Rose
Wie ein Adonis ánzusehen.
Die Reiter machen viel Vergnügen,
Wenn sie ihr stolzes Roß bestiegen.
Nun kommt da unter sanftem Knarren
Ein milchbeladener Eselskarren.
Das Rößlein, welches sehr erschrocken,
Fängt an zu trappeln und zu bocken.
Und, hopp, das war ein Satz, ein weiter!
Dort rennt das Roß, hier liegt der Reiter,
Entfernt von seinem hohen Sitze,
Platt auf dem Bauche in der Pfütze.
Die Reiter machen viel Vergnügen,
Besonders, wenn sie unten liegen.

Reiten ist die Kunst, ein Pferd zwischen sich und dem Erdboden zu halten

Der Hengst ist, wie man sehen kann,
ganz zweifellos der Pferdemann.
Die Stute ist nach Körperbau
und weil was fehlt, die Pferdefrau.
Der Wallach kommt als Hengst zur Welt.
Der Mensch hat aber festgestellt,
dass Hengste williger parieren,
wenn sie die Männlichkeit verlieren,
und auch in punkto Weibersachen
nicht immer wieder Wirbel machen.
Nimmt man an spezieller Stelle
dem Hengst die Lust- und Freudenquelle,
so sind ihm Stuten völlig Wurst,
weshalb er, mangels Liebeslust,
im Unterschied zum Menschenmann,
ohne Sünde leben kann

Reite nur so schnell wie dein Schutzengel fliegen kann.

Ein Pferd galoppiert mit seiner Lunge,
hält durch mit seinem Herzen,
gewinnt mit seinem Charakter.

Frederico Tesio



Und in der Tat,
ein Pferd, das sich stolz trägt,
ist etwas so schönes, Bewunderns- und Staunenswürdiges,
dass es alle Zuschauer Augen auf sich zieht.
Keiner wird müde, es anzuschauen,
solange es sich in seiner Pracht zeigt.

Xenophon

Und als ich so ritt,
klang mein Herz in den rasengedämpften Schritt,
klang ins Schnauben und Trensenspiel meinem Schimmel,
und eine Seligkeit hat mein Herz erhellt,
und ich wusste:
Fiele ich jetzt aus der Welt -
ich fiele in den Himmel!

Freiherr Börries von Münchhausen



Reiten:
Das Zwiegespräch zweier Körper
und zweier Seelen, das dahin zielt,
den vollkommenen Einklang zwischen ihnen herzustellen.

Waldemar Seunig

Dass mir mein Pferd das Liebste sei,
sagst du, oh Mensch, sei Sünde.
Das Pferd blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.

unbekannt

Der Mensch hat nicht das Recht,
über Tiere zu urteilen.
Sie stammen aus einer Welt,
die älter und vollständiger war als unsere jetzt,
ihre Erscheinung ist besser und vollständiger,
sie haben Eigenschaften,
die wir verloren oder nie erreicht haben...
Sie sind keine Untertanen,
sie gehören einer anderen Nation an -
und sind nur durch Zufall mit uns zugleich
ins Netz der Zeit gefallen, die wir Glanz und
Plage zugleich für die Erde sind.

(Henry Beston)

Oft denk' ich an die Zeit zurück,
als du noch bei mir warst.
Es war das allerhöchste Glück,
ich pflegte dich so gut ich konnte!
Ich hatte dich so teuflisch lieb,
du warst mein liebster Schatz.

Doch nun bist du fort von mir,
das hab ich nicht geträumt.
Ich weinte lange, war allein,
ich wünschte du wärst hier bei mir,
du wunderschönes Tier!
Auch heut denk ich noch oft an dich,
an deinen wachen Blick.
Dein weiches Fell glänzte nur für mich,
doch du kommst nie mehr zurück.

Du und ich, wir waren die besten Freunde
und so wäre es auch geblieben,
wenn man uns nicht getrennt hätte.
Wir sind schwebend über die Felder galoppiert,
waren ein unschlagbares Team
und ich weiß, wir gehören zusammen!
Deshalb höre ich auch nicht auf,
dich zu suchen.
Und auch wenn ich dich nicht finde,
in meinem Herzen wird immer Platz für dich sein,
ich werde dich niemals vergessen
und mich immer an unsere schöne Zeit zu zweit erinnern!

Als der Erschaffende das Pferd erschaffen wollte, sagte er zum Winde:
"Von dir will ich ein Wesen gebaeren, das geeignet ist, meine Verehrer zu tragen.
Dieses Wesen soll geliebt sein von allen meinen Sklaven,
es soll aber gefuerchtet sein von allen, die meinen Geboten
zuwiderhandeln."

Und er schuf das Pferd und rief ihm zu:
"Dich habe ich erschaffen ohnegleichen.
Alle Schaetze der Erde ruhen zwischen deinen Augen.
Meine Feinde sollst du treten unter deine Hufe,
meine Freunde aber sollst du tragen auf deinem Rücken,
dieser soll zugleich Sitz sein, von dem Gebete zu mir aufsteigen.
Auf der ganzen Erde sollst du gluecklich sein und vorgezogen allen
Geschoepfen dieser Erde,
denn dir gehoert die Liebe des Herrn der Schoepfung.
DU SOLLST FLIEGEN OHNE FLUEGEL,
DU SOLLST SIEGEN OHNE SCHWERT."

Ein feuriges Pferd liebt die Flucht.
Ein wilder Reiter den Kampf.
Was tun?
Das Pferd gibt als der Klügere nach und kämpft bis zum Letzten.
Es verlässt seinen Herrn nicht.
Hört, nehmt euch ein Beispiel!
Pflicht und Treue soll das Wichtigste sein in eurem Leben.

Gebet eines Pferdes
Ich bin nur ein Pferd, oh Herr, doch brav bin ich und treu
und willens, mein bestes zu geben für etwas Hafer und Heu.
Dazu noch frisches Wasser und ein trockenes Bett,um zu ruhn
mehr ist es nicht, was ich brauche, dafür will ich alles tun,
um dich zufriedenzustellen.Doch reit mich mit sanfter Hand,
auch wenn ich nicht gleich begreife-hab`nur einen Pferdeverstand.
Du bist mein Herr und Meister, vom Schicksal rür mich erwählt,
drum schenk mir ein gnädiges Ende, wenn meine Tage gezählt.
Wenn ich alt und schwach geworden, dann lass mich sterbendort,
wo man sicher und schmerzlos mich tötet, und nicht an fremden Ort.
bin allzeit ein Freund dir gewesen und hab dir treulich gedient,
drum sollst du als Freund mich behandeln, der ein würdiges Ende verdient.
Ich bitte im Namen des Heilands, ohne den kein Sperling fällt,
der, geboren in einem Stalle, uns alle liebt und erhällt.

Ein echter Pferdefreund zu sein,
Gilt heutzutage nicht als fein.
Ein Pferd soll auf Turnieren siegen,
wozu soll es noch liebe kriegen-
das finden viele lächerlich.
Gut, dass dein Pferd weiß:
Es gibt dich!

Mit Angst in den treuen Augen,
auch ein Pferd hat ein Recht.

Wo wäre der Mensch den geblieben
hätte er nicht zum Freunde das Pferd
Es hilft dir schon tausend Jahre
kennst überhaupt seinen Wert?

Es trug dich geduldig durch Berge,
zog den Wagen und pflügte das Tal,
im Krieg half es mutig dir siegen,
wie oft litt es Schmerz und Qual?

Auch ein Pferd hat ein Recht,
wenn es müde ist,
auf Rast und Ruhe, wie du,
drum dank ihm die Treue
lass ihm die paar Jahre,
zeig ein Herz,
denn sie stehen ihm zu.

Doch wehe, wenn krank es geworden
weil der Mensch oft die Grenzen nicht kennt,
dann wird es verkauft und verlassen,
das Pferd, das er Freund so oft nennt.
Dann steht es zusammengetrieben,
verlassen in Markthalle 8
sucht vergebens sein neues Zuhause
und wird dann zur Schlachtbank gebracht.

Mit Angst in den so treuen Augen,
beim letzten Weg voller Qual,
blickt suchend nach dir in der Runde
und wiehert dir zu ein letztes Mal.

(Sabrina Horn)

Unser ganzes Reiterglück
liegt in Mut, in Herz und Blick,
in Gefühl und Verstand,
festem Sitz und leichter Hand.
Habe Sitz und stete Zügel
und mit Fühlung halt den Bügel,
bis es mit dem Mundstück spielt,
Schenckel, Faust und Zügel fühlt,
bis es willig geht und schäumt,
vorwärts ihr gemeinsam träumt.

Selbst der tollste Jaguar verliert seine Wirkung neben einem schmucken Ponywägelchen.


(Marion C.Garetty)


Ein Pferd liebt die Freiheit,
und auch der klapprigste Gaul wird noch schwerfällig angaloppieren,
wenn er auf die Weide darf. 


(Gerald Raftery)


Wir haben fast vergessen,
was für eine seltsame Sache es ist,
das ein Tier,
so groß,
so kraftvoll und so intelligent wie ein Pferd,
einem andern, viel schwächeren Wesen erlaubt,
auf seinem Rücken zu reiten.


(Peter Gray)


Das Äußere eines Pferdes hat etwas an sich,
was dem Inneren eines Menschen wohltut.


(Sir Winston Churchill)


Gott, behüte mich davor,
in einen Himmel zu kommen,
in dem es keine Pferde gibt. 


(R.B. Cunningham-Graham)

Ein Bauernpferd hat keine Mucken. Es bricht nicht aus und reißt nicht am Zügel. es scharrt nicht und bäumt sich nicht auf und wölbt nicht seinen Hals, um ob seiner Schönheit, bewundert zu werden...Und wenn es gebraucht wird, ist es immer bereit,seine Arbeit zu tun.

(Anthony Trollope)

Ein Kind, das früher heulend wegen eines Schnittes im Finger gelaufen kam, wird nun mit einem gebrochenen Schlüsselbein gebracht und erklärt, tapfer lächelnd: Jezebel trifft keine Schuld, Papa!

(Pam Brown)

Von einem Pferd oder sonst einem Tier geliebt zu werden, sollte uns mit Ehrfurcht erfüllen, denn wir haben es nicht verdient.

(Marion C. Garretty)

Dieser Gaul wurde nicht geschaffen, um auf der Erde zu schreiten. Er hatte eine Vorliebe für die Luft. Und immer, wenn er abhob, versuchte er mich unten zu lassen.

(Anonymer Tribut an ein widerspenstiges Pferd)

Der Herr der Pferde
Für jedes Pferd steht im Paradies ein große Truhe mit tausend goldenen Perlen. Behandeln die Menschen das Pferd auf der Erde gut, wird bei jeder Wohltat eine Perle herausgenommen. Wenn das Pferd gestorben ist und auf die ewige Weide kommt, zählt der Herr der Pferde die übriggebliebenen Perlen. Wer bei den Menschen Schlimmes erlebt hat, wird dann für die schlechte Erdenzeit entschädigt.

Eine schöne Holsteiner Schimmelstute kam eines Nachmittags am Gatter des Paradieses an. Deine Truhe ist fast leer, sagte der Herr der Pferde, du musst ein gutes Leben gehabt haben.Die Stute nickte bedächtig. Meine Besitzer haben alles für mich getan. Als ich Probleme mit den Hufen bekam, haben sie mich auf die Weide gestellt, damit meine Beine geschont wurden. Sie haben dafür gesorgt, dass ich jeden Tag laufen und toben konnte, und so wurde ich mit ihnen zusammen sehr alt. Und als die Stunde des Abschieds gekommen war, sind sie bis zur letzten Minute an meiner Seite geblieben. Die Stute schwieg einen Moment. Ja, ich habe es sehr gut gehabt da unten.

Such dir eine Weide aus, schlug der Herr der Pferde vor. Ich brauche keine große Wiese, entgegnete die Stute, gib die großen Weiden meinen Kollegen, die auf der Erde nicht so viele gute Tage gesehen haben.

Als nächstes stand ein großer Friesenwallach vor dem Paradies-Gatter. Auch er war sehr, sehr alt. So alt, dass seine schwarze Mähne grau geworden war, was man nur ganz selten sieht. Auch bei dir finde ich nur noch wenige Perlen in der Truhe, sagte der Herr der Pferde. Ich habe es sehr gut gehabt, sagte der Friese. All die Jahre bin ich mit Liebe umsorgt worden. Und als die Stunde des Abschieds kam, ist mein Mensch bis zur letzten Minute an meiner Seite geblieben.

Dann kamen zwei braune Schulpferde angetrabt. Wie ist es euch ergangen in der Reitschule?, fragte der Herr der Pferde. Ich wundere mich, dass ich in eurer Truhe nur noch wenige Perlen sehe.Das muss dich nicht wundern, sagten die Schulpferde, unser Stallbesitzer hat uns helle Boxen bauen lassen, statt sich ein neues Auto zu kaufen. Weil wir bessere Trensen brauchten, hat er sogar auf den Urlaub verzichtet.

Gab es denn nie Reitschüler, die hässlich zu euch waren?Manchmal schon, gaben die Schulpferde zu. Aber die Liebe der Kinder hat uns immer wieder Mut gemacht. Die Braunen sahen den Herrn der Pferde an und sagten: Wir haben es wirklich gut gehabt da unten. Und als die Stunde des Abschieds kam, hat uns der Stallbesitzer auf unserem letzten Weg begleitet.

Ein zierlicher, schwarzer Traberwallach kam jetzt auf das Paradies zu, kaum älter als vier Jahre. Sein Fell glänzte wie Seide, aber seine Augen waren müde und ohne Glanz.

Warum bist du hier, mein Freund?, fragte der Herr der Pferde. Du bist noch zu jung zum Sterben.
Ich war keine gute Geldanlage, antwortete der Traber. Auf der Trabrennbahn war ich zu langsam. Sosehr ich mich anstrengte, ich konnte nicht schneller laufen. Mein Besitzer sagte, ich sei zu teuer zum Durchfüttern und hat mich zum Schlachter bringen lassen.
Der Herr der Pferde öffnete die Truhe des Trabers und fand sie noch fast gefüllt bis zum Rand. Das muss ein trauriges Leben gewesen sein, sagte er, hast du nicht einmal eine schöne Kindheit gehabt?
Kindheit - was für ein wundervolles Wort, sagte der Traber versonnen. Was bedeutet es?
Kindheit, sagte der Herr der Pferde, das heißt mit anderen Fohlen über Wiesen galoppieren, im Spiel die Kräfte messen, sich wälzen und in Seen baden, seinen Platz in der Herde suchen und Freunde finden. Man lässt doch die Pferde drei Jahre lang Kind sein, bevor die Arbeit beginnt. Hast du das nicht erlebt?
Nein, sagte der Traber, für mich fing das Training mit einem Jahr an. Sie haben mir den Kopf mit Lederriemen zurückgezogen und die Zunge festgebunden, damit ich nicht galoppieren konnte. Als ich zu langsam war, haben sie mich mit Peitschen aus Stacheldraht geschlagen.Warum tun sie das?, fragte der Herr der Pferde zornig. Man kann viel Geld mit Wetten auf der Trabrennbahn verdienen, sagte der Traber, mit einem schellen Traber kann man reich werden. Ich war leider ein schlechtes Geschäft.

Da führte der Herr der Pferde den kleinen Traber auf die große Paradiesweide mit Seen, die gefüllt war mit schimmerndem Himmelstaub, mit Plätzen aus goldenem Sand zum Wälzen und endlosen Wiesen zum Galoppieren. Alle Traber und die anderen Pferde, die von ihren Besitzern als Sportgerät missbraucht worden waren, vergnügten sich darauf. Fasziniert blieb der Traber stehen. Ist das Kindheit?, fragte er entzückt. Lauf los und genieße sie, sagte der Vater der Pferde.

Er war voller Empörung über die Menschen, aber es kam noch schlimmer. Ein polnisches Schlachtpferd schleppte sich auf das Paradies zu, ein Bild des Jammers. Ein gebrochenes Bein hing schlaff herab, Blut sickerte aus vielen Wunden im Gesicht und an der Schulter. Das Maul war grausam geschwollen, weil das Pferd sich im Pferdetransporter halb wahnsinnig vor Durst die Zunge an den Wänden wund geleckt hatte.
Als der Herr die Truhe des Schlachtpferdes öffnete, fehlte nicht eine einzige Perle. Wer hat es zugelassen, dass man dich so quält?, fragte er erzürnt.
Die Politiker, antwortete das Schlachtpferd mit matter Stimme. Sie könnten die Gesetze ändern, aber es interessiert sie nicht. Es geht nur ums Geld. Man verdient viel mehr, wenn man Pferde von Polen zum Schlachten bis nach Südfrankreich oder Italien bringt.
Der Herr der Pferde führte das Schlachtpferd auf seine größte und schönste Weide mit klaren, frischen Wasserquellen und Kräutern, die jede Wunde heilen. Was ist das für ein prächtiger, goldener Ball über der Weide? wollte das Schlachtpferd wissen.
Das ist die Sonne. Kennst du sie nicht?Nein. Aber ich habe die Menschen davon reden hören, sagte das Schlachtpferd glücklich und ging zu den Quellen, um seinen Durst zu löschen.
Da versammelten sich die Privat- und Schulpferde, die es gut gehabt hatten auf der Erde, und sagten zum Herrn der Pferde: Es ist gut, dass unsere armen Freunde es hier so paradiesisch haben. Aber kommen ihre Peiniger ungeschoren davon?

Sie bekommen ihre gerechte Strafe.Welche? wollten die Pferde wissen. Sie müssen als Pferd zurück auf die Erde. Dort haben sie das Gleiche zu erdulden wie die Tiere, die sie gepeinigt haben.
Der Herr der Pferde winkte ihnen, ihm zu folgen. Sie gingen lange Zeit über einen schmalen Pfad, bis sie an einen großen Platz gelangten, auf dem eine gewaltige Waage aufgebaut war. Jeder Mensch wurde vor diese Waage gerufen, und es wurden zwei Fragen gestellt. Ein Rennstallbesitzer stand gerade vor dem höchsten Gericht.
Wer hat etwas Gutes über ihn zu berichten?, hieß die erste Frage. Es fanden sich einige, die auf der Trabrennbahn gewonnen hatten, die mit ihm gemeinsame Sache gemacht hatten, und sein Kampfhund, der von ihm gut behandelt worden war. Dann kam die zweite Frage: Wer von den Trabern hat etwas gegen ihn vorzubringen?
Da galoppierten alle seine Traber heran. Die, die hohe Preise gewonnen hatten und die, die er zum Schlachter geschickt hatte.
Was habt ihr ihm vorzuwerfen? fragte der Richter. Er hat uns die Kindheit gestohlen, klagten die Traber. Sie stiegen auf die andere Waagschale und drückten sie mit ihrem Gewicht ganz nach unten.

Danach sahen die Pferde einen Politiker vor dem Gericht. Er fand eine ganze Anzahl von Menschen, die für ihn aussagten.
Er wird sich geschickt herausreden - wie auf der Erde, befürchteten die Pferde, da sind viele, die er mit Geld bestochen hat und die ihm wichtige Posten zu verdanken haben. Mindestens fünfzig Menschen. Wer wird gegen ihn aussagen?
-Fünfzigtausend Schlachtpferde-, sagte der Herr der Pferde, er wird keine Chance haben...

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